Rückblick auf den Schüleraufstand von Soweto: Bilanz nach Jahrzehnten
In Südafrika wird immer wieder die Frage gestellt, welchen Einfluss die historischen Ereignisse des Anti-Apartheid-Kampfes tatsächlich hatten. Seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 ist der 16. Juni, der Jahrestag des Schüleraufstands von Soweto, als offizieller Feiertag anerkannt. Der sogenannte „Tag der Jugend“ erinnert an jene, die 1976 für ihr Recht auf Bildung demonstrierten – an die Getöteten, Verletzten, Gefolterten und all jene, die sich in einem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen ein menschenverachtendes Regime engagierten.
Veränderungen durch den Soweto-Aufstand
In unmittelbarer Nähe des Ortes, an dem das ikonische Foto des zwölfjährigen Hector Pietersen entstand – der von Polizeikugeln getroffen in den Armen eines Mitschülers starb –, befindet sich in Soweto die Vilakazi Street. Diese ist weltweit einzigartig, da hier einst zwei Friedensnobelpreisträger lebten: Nelson Mandela und Desmond Tutu. Heute werden Mandelas ehemaliges Zuhause und die Umgebung gegen Eintritt von Touristen besucht. Nebenan zeigen sich wohlhabende Südafrikaner in eleganten Restaurants und präsentieren modische Designerbekleidung. Freiheit bedeutet hier auch, die materiellen Lebensstile der früheren Unterdrücker zu übernehmen. Jugendliche in Soweto bezeichnen diese wohlhabenden Menschen mit dem Slang-Begriff „Ngamla“, der historisch für reiche Weiße stand.
Soziale Ungleichheit und Bildungssituation
- Viele Jugendliche, die keinen sozialen Aufstieg geschafft haben, verdienen sich ein geringes Einkommen, indem sie die Autos der Wohlhabenden bewachen.
- Südafrika weist heute die weltweit größte Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen auf.
- Das staatliche Schulsystem ist in fünf Gebührenstufen gegliedert, abhängig vom Wohlstand der jeweiligen Nachbarschaft.
- Zusätzlich existieren teure Privatschulen für die wohlhabendere Mittelschicht und Reiche.
- Schulen in ärmeren Gebieten sind unterfinanziert, überfüllt und leiden unter Lehrermangel.
- Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei etwa 60 Prozent, was die Chancen auf eine Anstellung für Absolventen dieser Schulen stark einschränkt.
Im Zuge der Verhandlungen zum Ende der Apartheid konnten die Besitzenden ihre Eigentumsverhältnisse weitgehend bewahren. Vor dem Hintergrund von mehr als dreieinhalb Jahrhunderten kolonialer und rassistischer Unterdrückung sowie Ausbeutung führt ein Bildungssystem, das Kinder nach dem Vermögen ihrer Eltern sortiert, zwangsläufig zur Reproduktion sozialer Ungleichheiten. Zwar werden heute keine Demonstranten mehr erschossen, doch die Ideale der Jugend von 1976 sind dennoch nicht vollständig verwirklicht worden.
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