Herkunft von Straftätern als irreführendes Kriterium in der Kriminalstatistik


Herkunft als Kriterium bei Straftaten kritisch betrachtet

Seit geraumer Zeit weisen führende Wissenschaftler darauf hin, dass die Herkunft von Straftäterinnen und Straftätern kein verlässliches Kriterium zur Einordnung von Straftaten darstellt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) bildet nicht den Anteil verurteilter Täter ab, sondern erfasst die Anzahl der zur Anzeige gebrachten Delikte sowie der Verdächtigen. Zudem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Personen, die nicht als „deutsch“ wahrgenommen werden, häufiger angezeigt werden als solche aus dem als heimisch empfundenen Umfeld oder der eigenen Familie.

Einflussfaktoren auf Straffälligkeit

Alter, Geschlecht, soziale Umstände, belastende Lebenssituationen und mangelnde Perspektiven sind nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch entscheidendere Faktoren für die Entstehung von Straftaten. Münch betonte dies mehrfach bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Dass CSU-Innenminister Alexander Dobrindt diese Erkenntnisse ignoriert, deutet darauf hin, dass er eine rechtspopulistische Agenda verfolgt, die „Ausländer“ als Bedrohung darstellt und Migration als Ursache aller Probleme stilisiert. Diese Rhetorik kann letztlich Migrantinnen und Migranten gefährden, da sie bei manchen zu Selbstjustiz animieren kann.

Überwachung und politische Instrumentalisierung

Dobrindt setzt wie seine Vorgänger auf eine verstärkte Überwachung des öffentlichen Raums und eine intensivere Kontrolle der Bevölkerung. Dabei bedient er sich fragwürdiger Argumente aus der Kriminalstatistik, dem Bericht zur Politisch Motivierten Kriminalität sowie dem Verfassungsschutzbericht. In den beiden letztgenannten Berichten wird die Bedrohung durch linksextreme Gruppen durch verschiedene Methoden übertrieben dargestellt, um sie zahlenmäßig an die rechte Gefahr anzunähern.

Die tatsächlichen Daten rechtfertigen keine Aufrüstung der Sicherheitsbehörden gegen „Ausländer“ oder Linke. Dennoch kann sich Dobrindt in Deutschland auf breite Teile der Presse stützen, die seine Narrative verbreiten, insbesondere die Springer-Medien sowie alternative Plattformen wie „Nius“.

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