Landwirtschaft unter Druck: Herausforderungen und Forderungen
Die Mehrheit der Landwirte steht seit Jahren unter erheblichem wirtschaftlichen Druck. Investitionen in den Humusaufbau, die Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens oder das Tierwohl sind für die meisten Betriebe kaum realisierbar. Gerade angesichts der Klimakrise und der gesellschaftlichen Erwartungen wäre dies jedoch notwendig. Der Deutsche Bauernverband fordert unter Verweis auf teils dramatische Ernteausfälle in einigen Regionen finanzielle Unterstützung, die jedoch nicht gezielt genug ausfällt. Denn die Ernteverluste betreffen nicht alle Landwirte gleichermaßen, zudem verfügen viele über Nebeneinkünfte, beispielsweise als Dienstleister.
Finanzielle Engpässe trotz unterschiedlicher Ernteergebnisse
Unabhängig von der aktuellen Erntemenge benötigen viele Betriebe dringend kurzfristige Liquiditätshilfen. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied weist darauf hin, dass die Erzeugerpreise für Getreide, Mais, Kartoffeln und Gemüse seit Jahren zu niedrig sind. Gleichzeitig sind die Kosten für Treibstoff, Saatgut, Düngemittel, Pacht und Arbeitskräfte deutlich gestiegen. Ohne die EU-Direktzahlungen wären viele Betriebe defizitär. Dennoch schließen jährlich etwa 3.000 landwirtschaftliche Betriebe dauerhaft.
Notwendige Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit
- Eine frühere Auszahlung der EU-Beihilfen wird als dringend erforderlich angesehen, um die Zahlungsfähigkeit der Landwirte zu gewährleisten.
- Die von der EU beschlossene „Düngemittelhilfe“ aufgrund der stark gestiegenen Preise für mineralische Pflanzennährstoffe kann ebenfalls unterstützen, insbesondere da viele Bauern keine Tiere mehr halten.
- Die Viehwirtschaft war lange ein Verlustgeschäft, derzeit lässt sich jedoch mit der Rinderhaltung wieder Geld verdienen.
Fehlende Forderungen und Interessenkonflikte
Bemerkenswert ist, dass der Bauernverband keine Auflagen für Mineralölkonzerne fordert, obwohl die Kraftstoffpreise in den meisten Nachbarländern deutlich niedriger sind. Ebenso fehlt eine Forderung nach Mindestpreisen für Ackerfrüchte, Obst und Gemüse, die die Verhandlungsposition der Landwirte gegenüber Agrarhändlern, Molkereien und insbesondere den großen Einzelhandelsketten stärken würden. Diese Akteure profitieren maßgeblich von den Agrarsubventionen. Gleichzeitig sitzen Vertreter des Bauernverbands in Aufsichtsräten von Landhandelskonzernen sowie Milch- und Fleischverarbeitern, was zu Interessenkonflikten führt. Daher wird eine Preisstabilisierung zugunsten der Erzeuger nicht angestrebt.
Klimaresilienz und politische Herausforderungen
Der Verband setzt sich nicht für Programme zur Steigerung der Klimaresilienz oder entsprechende Investitionshilfen ein. Dabei ist nicht für alle Herausforderungen, wie etwa steigende Durchschnittstemperaturen, ausreichend Vorsorge möglich. Die Klimakrise äußert sich nicht nur in Extremwetterereignissen, sondern auch in zunehmendem Druck durch eingeschleppte Schadinsekten. Gleichzeitig bestehen politische Zielvorgaben zur weiteren Reduzierung des Pestizideinsatzes, wodurch die Landwirte weitgehend allein gelassen werden.
Die aktuelle Politik scheint darauf zu setzen, die heimische Landwirtschaft zugunsten günstiger Importe von Getreide, Gemüse und Fleisch allmählich zurückgehen zu lassen. Dies trägt nicht zur Lösung der Klimaproblematik bei, sondern verschärft sie vielmehr.
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