Polizeigewalt und Medienberichterstattung: Die Verantwortung der Journalisten

Polizeigewalt in Bologna und Köln: Zweifel an offiziellen Darstellungen

In Bologna endete ein Polizeieinsatz am Sonntag tödlich für den 43-jährigen Abderrahim Fakir. Nach einem Wutausbruch des Mannes marokkanischer Herkunft riefen Nachbarinnen und Nachbarn die Polizei. Die Einsatzkräfte setzten Pfefferspray ein und fixierten den Gefesselten am Boden, woraufhin Fakir verstarb.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich vor drei Monaten in Köln. Der venezolanische Erzieher Pedro Corona wurde von Polizistinnen und Polizisten während einer psychischen Ausnahmesituation gefesselt und schwer misshandelt. Ein nun veröffentlichtes Handy-Video dokumentiert, wie der 30-Jährige unter den Knien zweier Beamter zunehmend verstummte. Nach einem Infarkt liegt Corona seither mit schweren Hirnschäden im Koma.

Widersprüchliche Polizeiberichte und mediale Berichterstattung

Diese Fälle verdeutlichen die Bedeutung unabhängiger journalistischer Recherchen. Die Polizeimeldung zum Vorfall in Köln lautete am Folgetag: „30-jähriger Kölner beißt Polizistin und kollabiert“. Zahlreiche Medien übernahmen diese Darstellung ohne Prüfung. Ein Boulevardmagazin bezeichnete Corona sogar als „Kölner Vampir-Mann“ aufgrund der angeblichen Bissverletzungen. Die veröffentlichten Videos und Bodycam-Aufnahmen zeigen jedoch ein anderes Bild und widerlegen die einseitige Darstellung.

In Bologna veröffentlichte die Tageszeitung „La Repubblica“ ein Video eines Nachbarn, das die Polizeigewalt und die verzweifelten Hilferufe von Fakir dokumentiert. Zwei anwesende Rettungssanitäter griffen nicht ein. Es gibt Hinweise darauf, dass auch Fakir sich zuvor in einer psychischen Ausnahmesituation befand.

Kritik an der Rolle der Polizei als Informationsquelle

Die Polizei ist keine neutrale Informationsquelle. Ihre Pressemitteilungen dienen oft der Rechtfertigung eigener Maßnahmen und verfolgen eine bestimmte Agenda. Die unkritische Übernahme dieser Darstellungen durch Medien verletzt journalistische Sorgfaltspflichten, wie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) betont. Insbesondere bei Fällen von übermäßiger Polizeigewalt sollten polizeiliche Aussagen genauso kritisch geprüft werden wie die von anderen beteiligten Parteien.

Empfehlungen für die Berichterstattung über Polizeieinsätze

Das Fachmagazin „Journalist“ hat einen Leitfaden zur Berichterstattung über Polizei und Kriminalität veröffentlicht. Demnach sollten Journalistinnen und Journalisten eigene Recherchen durchführen, nach Video- und Bodycam-Material suchen sowie Zeuginnen und Zeugen, unabhängige Expertinnen und Experten sowie Betroffene oder deren Angehörige befragen.

Obwohl sorgfältigere Recherchen das Leben der Opfer nicht retten können, tragen sie dazu bei, die Polizei stärker zu kontrollieren. Der Generalverdacht, dass Polizeibeamte wiederholt unverhältnismäßige Gewalt anwenden und dabei Betroffene diskriminieren, wird durch die aktuellen Ereignisse in Köln und Bologna bestätigt.

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