Ai Weiwei plädiert für unkorrektes Malen bei Kindern

Ai Weiwei warnt vor Korrekturen bei kindlicher Kunst

Osnabrück (ots)

Der Künstler Ai Weiwei betont, dass es bei Kindern keine Fehler in der Kunst gibt und warnt davor, deren Mal- und Zeichenarbeiten zu korrigieren. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (noz) erklärte er: „Was immer Sie dem Kind dann für einen Rat geben, er ist jetzt schon völlig falsch.“ Für Ai Weiwei ist ein vermeintlicher Fehler der entscheidende Moment, in dem Kunst entsteht. „Jede Kunst beginnt mit einem Fehler – sonst ist es keine Kunst, sondern Dekoration“, so der 69-Jährige.

Gegen Korrekturen kindlicher Werke

Ai Weiwei kritisiert ausdrücklich das Berichten von Kindern bei ihren künstlerischen Versuchen: „Sie zerstören damit die Fähigkeit Ihrer Kinder, echte Kunst zu schaffen. Wenn Sie sagen, das Kind soll es besser machen, ist das grundlegend falsch. Diese Art der Erziehung ist komplett verfehlt.“

Kritik am Streben nach „richtigem“ Zeichnen

Den Wunsch von Kindern, eine Zeichnung nach Vorlage „korrekt“ anzufertigen, lehnt der Künstler ab und bezeichnet dieses Denken als typisch deutsch. „Wenn ein Kind eine Micky Maus zeichnet und am Ende etwas ganz Eigenes wie Ai Weiwei dabei herauskommt, ist das besser. Das Kind muss keine perfekte Micky Maus malen – das kann jeder“, erläutert er.

Fehler als Teil des kreativen Prozesses

Ai Weiwei sieht es als problematisch an, in der Kunst zielgerichtete Absichten zu verfolgen. Er kritisiert, dass Kindern immer wieder beigebracht werde, Fehler zu vermeiden, um etwas „Besseres“ zu schaffen. „Als ob man vorher wüsste, was besser ist und was nicht. So wird bereits früh Selbstzensur gefördert“, erklärt der Künstler.

Gemeinsames Kunstschaffen mit dem Sohn

Auf die Frage, ob er mit seinem Sohn zusammen Kunst mache, antwortete Ai Weiwei: „Niemand auf der Welt kann gemeinsam Kunst schaffen. Man kann sich neben ein Kind setzen und beobachten, was es tut. Mein Sohn ist auf einem viel höheren Niveau als ich. Ich bewundere ihn dafür, dass er anders ist als ich.“

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