Osnabrück (ots)
Hella von Sinnen äußert deutliche Kritik an Dieter Nuhr aufgrund seiner Äußerungen zum Thema Femizid und stellt dessen weitere Präsenz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk infrage. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ bezeichnete sie Nuhrs Aussagen als eine unverzeihliche Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen und eine Leugnung des zugrundeliegenden Frauenhasses. „Jährlich sterben etwa 350 Frauen durch die Hand ihrer Partner – und er sagt so etwas? Das ist eine unfassbare Unverschämtheit“, so die Entertainerin. Sie zeigte sich gespannt, ob Nuhr weiterhin für die ARD tätig sein wird.
Reflexionen zu Thomas Gottschalks Umgang mit Frauen
Im Kontext der Debatten um Thomas Gottschalks Verhalten gegenüber Frauen fand von Sinnen differenzierte Worte. Sie erklärte, dass Gottschalk in den 1980er- und 1990er-Jahren vor allem als charmanter und attraktiver Moderator agierte, dem es an einer klaren Grenze fehlte. „Beim ZDF gab es niemanden, der ihm gesagt hätte: ‚Lass das mal, Tommy.‘“ Die häufige Bezugnahme auf „Wetten, dass…?“ als Beispiel für damaligen Sexismus führte sie auf Gottschalks immense Popularität zurück. Von Sinnen betonte, dass sie ihm keine Frauenfeindlichkeit unterstelle, zumal er viele Jahre mit seiner Partnerin Thea zusammen war.
Persönliche Erfahrungen mit Frauenfeindlichkeit
Hella von Sinnen berichtete auch von eigenen Erlebnissen mit Hass und Frauenhass, insbesondere in Form von Hasskommentaren im Netz. Sie beschrieb, wie sich die Aggressivität bereits an der Ausdrucksweise erkennen ließ: „Man sah am Schriftbild, dass etwas Armseliges kommt, etwa Beleidigungen wie ‚Frau von Sinnen, Ihre Fotze müsste man mit Teer zuschütten‘.“ Trotz solcher Angriffe sei sie stets selbstbestimmt aufgetreten und habe bewusst ihre Sexualität thematisiert. „Die Provokation bestand darin, dass ich eine dicke, lesbische Frau war, die offensichtlich ein erfülltes Sexualleben hatte und mit Frauen zusammen war, die für viele Männer unerreichbar waren. Ich war nie entsexualisiert.“
Appell an Männer zur Übernahme von Verantwortung
Von Sinnen richtete einen Appell an Männer, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Sie hob hervor, dass es durchaus gute Männer gebe, zeigte sich aber besorgt über die zunehmende Attraktivität faschistischer Ideologien. „Viele Männer fragen sich heute wieder, wie sie ‚männlich‘ sein können und wie sie Frauen an traditionelle Rollen wie den Herd binden können. Ob man dazugehören möchte, ist eine Frage, die sich Männer stellen müssen. Aber dann müssen sie selbst aktiv werden – wir Frauen werden das nicht für euch übernehmen.“
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