Kritik am offenen Vollzug in Berlin nach Flucht eines verurteilten Betrügers
Osnabrück (ots)
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) übt scharfe Kritik an der Vollzugspraxis in Berlin. Dirk Peglow, Vorsitzender des BDK, bezeichnete gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz) den offenen Vollzug nicht als „Freiheit mit Rückkehrfrist“. Anlass ist die Flucht des verurteilten Betrügers Hendrik Holt, der nach einem Ausgang nicht in die Haftanstalt zurückgekehrt ist.
Unzureichende Kontrolle bei Ausgängen
Die Haftanstalt hatte keine Informationen darüber, wohin sich Holt während seines Ausgangs begab. Peglow betonte, dass in solchen Fällen die Grenze zwischen einem notwendigen Vertrauensvorschuss und einem problematischen Verzicht auf Kontrolle überschritten werde. Dies führe dazu, dass bei Fahndungsmaßnahmen wertvolle Zeit verloren gehe.
Keine Entwarnung trotz zahlreicher beanstandungsfreier Ausgänge
Obwohl es mehr als 500 Ausgänge ohne Beanstandungen gegeben habe, sei dies kein Freibrief für mangelnde Überwachung, so Peglow. Er forderte eine kontinuierliche und kritische Bewertung der Flucht- und Missbrauchsrisiken. Bundesweit müssten für den offenen Vollzug klare und risikoorientierte Mindeststandards etabliert werden. Dazu zählen unter anderem:
- Angaben zum voraussichtlichen Aufenthaltsort
- gesicherte Erreichbarkeit der Inhaftierten
- stichprobenartige Kontrollen
Nur wenn Vertrauen durch wirksame Kontrolle gewährleistet sei, könne der offene Vollzug funktionieren. Andernfalls werde das Vertrauen der Bevölkerung in den Strafvollzug beeinträchtigt.
Forderung nach umfassender Aufarbeitung
Im Zusammenhang mit der Flucht von Hendrik Holt verlangt Peglow eine gründliche Untersuchung des gesamten Vorfalls.
Hintergrund zur Flucht
Hendrik Holt war im Jahr 2022 zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Er hatte Investoren mit teilweise erfundenen Windkraftprojekten um Millionen betrogen. Am 25. August kehrte er von einem Ausgang nicht in den offenen Vollzug in Berlin zurück. Seitdem wird er mit Fahndungsmaßnahmen gesucht.
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