Kritik an Patientensteuerung durch Krankenkassen-Apps

KBV kritisiert Pläne zur Patientensteuerung über Krankenkassen-Apps scharf

Osnabrück (ots)

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) übt deutliche Kritik an den Vorhaben von Gesundheitsministerin Nina Warken, die Patientensteuerung über einzelne Apps der Krankenkassen zu realisieren. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, bezeichnete im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz) die geplante Vorgehensweise als Weg in ein vorhersehbares Chaos. Er verwies darauf, dass es bereits ein Konzept für eine sichere und zugleich barrierearme Anwendung gebe, die Ersteinschätzung und Terminvermittlung zentral bündelt. Die Verteilung dieser Aufgabe auf jede einzelne Krankenkasse und die damit verbundene Entstehung eines „App-Dschungels“ sei hingegen äußerst störend.

Digitale Ersteinschätzung als zentrales Element

Im Rahmen der im Koalitionsvertrag vereinbarten Patientensteuerung sollen Smartphone-Apps eine wesentliche Rolle spielen. Ziel ist es, dass die App anstelle eines Hausarztbesuchs eine Ersteinschätzung vornimmt und bei Bedarf einen passenden Arzttermin vermittelt. Gassen befürwortet diesen Ansatz ausdrücklich. Er betont, dass Krankenkassen zu Recht erwarten, dass durch diese digitale Lösung Arzttermine eingespart werden können, da häufig bereits Bettruhe oder rezeptfreie Medikamente ausreichen. Zudem zeigten Erfahrungen aus Ländern wie der Schweiz, dass bei der digitalen Ersteinschätzung keine schwerwiegenden Erkrankungen übersehen würden.

Probleme bei der Umsetzung und Kritik an Kassen-Apps

Bislang ist die einzige weit verbreitete App zur Terminvergabe das Angebot des privaten französischen Unternehmens Doctolib. Verbraucherschützer kritisieren, dass Doctolib Termine nach der Zahlungsbereitschaft der Nutzer priorisiere. Eine deutsche Lösung wird seit Monaten diskutiert, konnte jedoch noch nicht realisiert werden.

Gassen führt das Scheitern vor allem darauf zurück, dass der Zugang zu digitalen Diensten ausschließlich über die Apps der rund 90 Krankenkassen erfolgen soll. Er vermutet, dass einige Kassen dadurch die Kontrolle über ihre Versicherten und deren Termine behalten wollen. Sollte das Gesundheitsministerium an diesem Modell festhalten, könnten die Krankenkassen-Apps zu einer Art „Stoppschild“ vor der medizinischen Versorgung werden.

Vorschlag für eine einheitliche Plattform

Nach Ansicht von Gassen existiert bereits eine Lösung, die alle Anforderungen erfüllen kann: Eine Anwendung, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst, die Telefonnummer 116117 sowie die digitale Ersteinschätzung auf einer Plattform vereint. Diese soll so gestaltet sein, dass auch weniger digital versierte Nutzer sie problemlos bedienen können. Zudem sollte die App über eine Identifikationsfunktion verfügen und Schnittstellen bieten, an die Krankenkassen, private Versicherungen sowie Anbieter wie Doctolib angebunden werden können.

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