Hubertus Meyer-Burckhardt über Gewalt in der Kindheit und die heilende Kraft der Literatur
Osnabrück (ots)
Der Moderator und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt (70) berichtet von seiner schwierigen Kindheit, die von Gewalt geprägt war. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz) erklärte er, dass er bereits früh erwachsen werden musste, da ihm die unbeschwerte Kindheit fehlte. Grund dafür war ein gewalttätiger Vater, der ihn stark belastete.
Literatur als Zuflucht und Orientierung
Meyer-Burckhardt schildert, wie er in Büchern Trost und Halt fand: „Ich suchte nach Orientierung, die in meiner Familie nicht vorhanden war. Deshalb habe ich mir Literaten als väterliche und Literatinnen als mütterliche Figuren vorgestellt.“ Diese literarischen Bezugspersonen halfen ihm, die schwierige Situation zu bewältigen.
Einblick in das familiäre Umfeld
Seinen Vater beschreibt Meyer-Burckhardt als stark von der NS-Zeit beeinflusst, mit faschistoiden Neigungen und einer unreflektierten Haltung gegenüber seiner Rolle in der Wehrmacht. „Er hatte ein Bein verloren und wäre dringend therapiebedürftig gewesen, was damals jedoch nicht möglich war“, so der Moderator. Aus der Perspektive eines Kindes war die Vergangenheit des Vaters jedoch weniger relevant als die unmittelbare Gewalt: „Ein traumatisierter Zwölfjähriger will einfach nur den Mann loswerden, der ihn regelmäßig schlägt.“
Die Übergriffe seines Vaters charakterisiert Meyer-Burckhardt als ritualisierte Gewaltausübung, die häufig nach Alkoholkonsum stattfand: „Er hat mir Lateinvokabeln abgefragt und dabei eine Reitpeitsche mit Silberknauf benutzt.“
Appell zur Offenheit und Konsequenz
Der TV-Talker betont die Notwendigkeit, über solche Erfahrungen zu sprechen, um klarzustellen, dass Gewalt in der Familie nicht akzeptiert werden darf. „Es gibt keinen Grund, das zu ertragen oder sich damit abzufinden. Wer Gewalt ausübt, muss therapeutische Hilfe erhalten und gegebenenfalls strafrechtlich belangt werden.“
Die literarischen Werke, die ihm in seiner Jugend geholfen haben, hat Meyer-Burckhardt kürzlich in einem Buch veröffentlicht.
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