Neue Website des Weißen Hauses inszeniert Migration als Alien-Invasion
Die aktuelle Internetpräsenz des Weißen Hauses erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, als seien neue UFO-Akten veröffentlicht worden. Schwarzer Sternenhimmel mit grüner Schrift und der Satz „They walk among us“ erinnern an bekannte Popkultur-Phänomene wie „Akte X“, „Matrix“ oder „Star Wars“. Die Webseite trägt den Titel „Aliens“ und nutzt ein langsam herabrollendes Textformat, das an den Vorspann von „Star Wars“ erinnert.
Verdeckte Botschaft hinter der Inszenierung
Seit sechs Jahrzehnten werde ein Geheimnis gehütet: „Aliens“ lebten unter uns. Sie hätten dieselben Geschäfte besucht, dieselben Schulen besucht wie unsere Kinder und führten scheinbar normale menschliche Leben. Doch der entscheidende Unterschied sei, dass sie nicht hierher gehörten. Erst am Ende wird klar, dass mit „Aliens“ Migrantinnen und Migranten ohne gültige Papiere gemeint sind.
Faschistische Ästhetik in moderner Form
Die Webseite verdeutlicht, wie sich faschistische Propaganda ästhetisch weiterentwickelt hat, dabei aber inhaltlich ähnliche Muster beibehält. Nach Marx treten historische Ereignisse oft zweimal auf: einmal als Tragödie, ein weiteres Mal als Farce. Die Trump-Administration scheint sich in der zweiten Variante zu bewegen.
- Frühere faschistische Regime griffen auf antike Architektur zurück, Trump nutzt ähnliche Bildwelten, jedoch in einer kitschigen, neu-reichen Variante mit Triumphbögen und goldverzierten Elementen im Oval Office.
- Das Auftreten von Gregor Bovino, ehemaliger Leiter der ICE-Behörde, mit langem Militärmantel und auffälliger Frisur, illustriert diese inszenierte Farce eines faschistischen Karnevals.
- Die Propaganda wirkt geschmacklos, entfaltet jedoch dennoch Wirkung.
Palingenese als Kern faschistischer Ideologie
Ein zentrales Element faschistischer Ideologie ist die Vorstellung einer revolutionären Wiedergeburt einer idealisierten Vergangenheit. Während Hitler das Germanentum, Mussolini das Römische Reich und der österreichische Ständestaat verherrlichten, beschwört die MAGA-Bewegung in den USA die Rückkehr weißer Vorherrschaft und einer illiberalen Gesellschaft.
Diese Vorstellung spiegelt sich auch in der neuen Webseite wider, die nostalgische popkulturelle Referenzen auf „Star Wars“, „Matrix“ und „Akte X“ nutzt und so einen postmodernen propagandistischen Albtraum schafft.
Migration als Alien-Invasion inszeniert
Die US-Regierung erzählt die Geschichte irregulärer Migration in Form eines Alien-Invasionsfilms. Migrantinnen und Migranten werden als heimlich Eingedrungene dargestellt, die sich unter die Bevölkerung gemischt und nur scheinbar menschliche Existenzen geführt hätten. Diese Formulierung entmenschlicht die Betroffenen und reduziert sie auf fremde Wesen.
- Eine interaktive Karte visualisiert ICE-Festnahmen wie Treffer in einem Videospiel.
- Besucher der Seite werden aufgefordert, verdächtige „Aliens“ direkt bei den Behörden zu melden.
- Ein Newsletter informiert über „Alien-Begegnungen“ in der eigenen Umgebung.
- Abschiebungen werden als interaktives Jagdspiel dargestellt.
Gefahr der Verharmlosung und Entmenschlichung
Die eigentliche Bedrohung liegt darin, dass politische Verfolgung durch die Website zur Unterhaltung gemacht wird. Repression wird spielerisch dargestellt und der Übergang von Meme zur Realität vollzogen. Die kitschige Verpackung dient als Träger menschenfeindlicher Botschaften: Menschen werden zu Invasoren erklärt, Nachbarinnen und Nachbarn zu Verdächtigen und letztlich zu „Aliens“.
Ein beunruhigendes Szenario zeichnet sich ab: Sollte künftig beispielsweise in Freizeitparks wie Disneyland eine Attraktion entstehen, bei der Figuren wie Goofy wegen „Vaterlandsverrat“ bestraft werden, könnte der Zulauf ähnlich groß sein wie bei den Abschiebelagern der ICE – nur mit lachenden Kindern statt weinenden.
Pressekontakt
nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
Telefon: 030/2978-1722

