Rüstungsindustrie als Ausweg für die deutsche Autoindustrie

Deutsche Industrie erwägt Einstieg ins Rüstungsgeschäft

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Begriff „Konversion“ vor allem im Osten Deutschlands mit der Umwandlung militärischer Anlagen in zivile Nutzungen verbunden. Inzwischen erfährt dieser Begriff eine deutliche Umkehrung: Angesichts steigender Rohstoffpreise und wirtschaftlicher Unsicherheiten sehen Führungskräfte großer Konzerne eine Chance in der Aufrüstung. So gibt es Berichte, wonach der Mercedes-Benz-Konzern einen direkten Einstieg in das Rüstungsgeschäft prüft.

Politische Begründungen und wirtschaftliche Interessen

Offiziell wird dieser Schritt mit der gestiegenen globalen Unsicherheit und dem Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeit begründet. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens betont die Bereitschaft, hier „eine positive Rolle“ zu übernehmen. Diese Argumentation erscheint jedoch als bloße Rhetorik, denn die Herstellung von Waffen und Munition ist weder gesellschaftlich positiv zu bewerten, noch steht sie im Vordergrund. Vielmehr geht es um wirtschaftliche Vorteile: Die Beteiligung am lukrativen Markt der Rüstungsaufträge, das Profitieren von Sondervermögen und das Wachstum von Rüstungsaktien. Gleichzeitig werden die Kontrollmechanismen für Waffenexporte zunehmend gelockert. Die politischen Rahmenbedingungen sind günstig, da die Bundesregierung die Bundeswehr zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ ausbauen und die Truppe kriegstauglich machen will.

Herausforderungen für die Automobilbranche und Gewerkschaften

Dass ausgerechnet die deutsche Automobilindustrie – auch Volkswagen diskutiert über Rüstungsprojekte – in das Rüstungsgeschäft einsteigen möchte, hängt maßgeblich mit den verpassten Entwicklungen in der eigenen Branche zusammen. Durch das Festhalten an traditionellen und zunehmend unattraktiven Geschäftsmodellen hat sie international erheblich an Boden verloren.

Die Absicht, diese Defizite unter anderem durch die Produktion von Rüstungsgütern auszugleichen, wirft auch für die Gewerkschaften neue Herausforderungen auf. Insbesondere im Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen stellt sich die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit solcher Geschäftsbereiche. Dies wurde kürzlich beim DGB-Kongress erneut deutlich. Entgegen einer verbreiteten Redewendung ist Geld, das mit Kriegsgerät verdient wird, keineswegs sauber, sondern steht in erheblichem moralischem Konflikt.

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