Brics-Gipfel 2026: Indiens Vision einer multipolaren Weltordnung

Positionen und Herausforderungen der BRICS-Staaten im globalen Machtgefüge

Berlin (ots)

Der Ausrichter des BRICS-Gipfels 2026, Indien, definiert das Staatenbündnis als eine „nichtwestliche“ Koalition, nicht jedoch als „antiwestlich“. Diese Sichtweise teilen auch Brasilien und Südafrika. Im Gegensatz dazu zeigen China und Russland eine stärkere Neigung zu einer antiwestlichen Haltung, die sich seit Ausbruch des Ukraine-Krieges und dem US-Angriff auf den BRICS-assoziierten Staat Iran deutlich verstärkt hat.

Entstehung und Zielsetzung des BRICS-Bündnisses

Die BRICS-Staaten formierten sich nach der Finanzkrise 2008 mit dem Ziel, besser auf globale Krisen reagieren zu können, die ihren Ursprung im Westen haben. Seit 2024 ist das Bündnis auf zehn Mitglieder angewachsen und verzeichnet zahlreiche Interessenten. Gemeinsam streben diese Länder eine Stärkung des Globalen Südens innerhalb der internationalen Ordnung an. Trotz dieses gemeinsamen Ziels bestehen erhebliche Differenzen, insbesondere zwischen den regionalen Konkurrenten Indien und China.

Indiens Forderungen und die multipolare Weltordnung

  • Indien setzt sich für eine gerechtere Weltordnung ein und fordert unter anderem einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
  • Darüber hinaus strebt Indien eine stärkere Rolle des Globalen Südens bei Institutionen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) an.
  • Indien und viele andere Länder des Globalen Südens lehnen eine neue Weltordnung ab, die von China und Russland dominiert wird.
  • Stattdessen befürworten sie eine multipolare Weltordnung, gegen die die USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps Widerstand leisten, was sich unter anderem in militärischen Interventionen im Iran, Venezuela und Kuba zeigt.

Die Rolle der Neuen Entwicklungsbank und wirtschaftliche Strategien

Die 2014 gegründete Neue Entwicklungsbank (NDB) der BRICS-Staaten unterstützt mit günstigen Krediten Projekte zur Bekämpfung von Unterentwicklung und Armut. Im Gegensatz zum IWF fordert die NDB keine sozialen Einschnitte als Gegenleistung für Finanzierungen. Zudem verfolgen die BRICS das Ziel, den Handel verstärkt in eigenen Währungen abzuwickeln und alternative Zahlungssysteme zu etablieren. Diese Maßnahmen sollen Risiken streuen, Abhängigkeiten verringern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen erhöhen.

Perspektiven einer Neuen Weltwirtschaftsordnung

Obwohl die BRICS-Staaten eine Neuausrichtung der globalen Wirtschaftsordnung anstreben, sind sie von einer umfassenden Neuen Weltwirtschaftsordnung (NWO) noch weit entfernt. Die 1974 von den Vereinten Nationen verabschiedete NWO wurde bislang nicht realisiert, da der Westen kein Interesse an einem Interessenausgleich mit dem Globalen Süden zeigte. Um hier Veränderungen zu bewirken, muss das Bündnis seine Stärke erheblich ausbauen. Die grundsätzliche Ausrichtung ist jedoch erkennbar.

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