Forderung nach strengen Regeln für Social Media zum Schutz von Jugendlichen

Kinder- und Jugendärzte fordern strengere Regulierungen für soziale Medien

Osnabrück (ots)

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verlangt zum Schutz junger Menschen deutlich strengere Vorgaben für Plattformen wie TikTok und Instagram. Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ betonte Jakob Maske, Bundessprecher des BVKJ, dass die gesundheitlichen und kognitiven Schäden durch soziale Medien bei Jugendlichen längst belegt seien. Er forderte die Bundesregierung und Gesundheitsminister Carsten Linnemann auf, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen.

Notwendigkeit nationaler Regelungen

Maske verwies darauf, dass es bereits Möglichkeiten gebe, nationale Standards für soziale Netzwerke zu etablieren. Als Beispiel nannte er Großbritannien, das entsprechende Regelungen vorantreibe. „Es geht um die Zukunft unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft“, so Maske. Er kritisierte, dass trotz vorliegender Vorschläge bislang keine konsequente Umsetzung erfolge, da man sich zu sehr von den Interessen großer Konzerne beeinflussen lasse.

Probleme in der Praxis und elterliche Verantwortung

Der Kinderarzt schilderte, dass die negativen Auswirkungen der sozialen Medien in seiner Praxis zunehmend sichtbar werden. Kinder seien einer starken Beeinflussung ausgesetzt, die es ihnen erschwere, eine eigene, unabhängige Meinung zu entwickeln. Die Zahl der Fälle problematischer Bildschirmnutzung steige kontinuierlich.

Darüber hinaus machte Maske auch die Eltern für die Situation mitverantwortlich. Er beobachte häufig, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene während der Wartezeiten in der Praxis intensiv ihre Smartphones nutzen. Bereits Kleinkinder trügen Kopfhörer und hätten Tablets vor sich, um sie ruhigzustellen. Dieser Trend, sehr junge Kinder mit digitalen Geräten abzulenken, sei besorgniserregend.

Politische Verantwortung und mögliche Verbote

Gleichzeitig betonte der BVKJ-Sprecher, dass die Politik die Eltern bei diesen Herausforderungen nicht allein lassen dürfe. Er verwies auf Plattformen wie Roblox, die offiziell erst ab 16 Jahren freigegeben sind, aber dennoch von jüngeren Kindern genutzt werden. Dort könnten sie mit Inhalten konfrontiert werden, die auch Erwachsene als verstörend empfinden.

Zur Diskussion um Schutzmaßnahmen äußerte sich Maske offen gegenüber einem Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren. Dies könne ein sinnvoller Baustein sein, reiche jedoch nicht aus. Erfahrungen aus Australien zeigten, dass viele Jugendliche Verbote umgehen. Auch technische Voreinstellungen auf Smartphones seien für Jugendliche leicht zu umgehen. Daher sei es letztlich notwendig, strenge Regeln für die Betreiber der Plattformen zu etablieren.

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