ILO-Bericht: Mehrheit der Hausangestellten weltweit ohne Vertrag und soziale Absicherung
Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten über 80 Prozent der Hausangestellten weltweit ohne formellen Arbeitsvertrag und ohne soziale Absicherung. Diese Situation ist kein Zufall, sondern Teil eines Wirtschaftssystems, das die Erwerbsarbeit von Frauen systematisch abwertet. Insbesondere häusliche Sorgearbeit wird häufig nicht als bezahlte Arbeit anerkannt, sondern als liebevolle Tätigkeit betrachtet, die lediglich eine Aufwandsentschädigung rechtfertigt.
Ungleiche Bedingungen auch in Deutschland
Obwohl die Herausforderungen in Ländern mit großem informellem Sektor besonders ausgeprägt sind, bestehen auch in Deutschland erhebliche Ungerechtigkeiten. Während über Work-Life-Balance diskutiert wird, wird die Reinigung und Pflege oft stillschweigend an migrantische Arbeitskräfte delegiert. Viele von ihnen sind informell beschäftigt und haben dadurch weder Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen noch zu Kranken- oder Rentenversicherungen. Der verfassungsrechtliche Schutz der Privatsphäre wird seit Jahren als Begründung genutzt, um Arbeitskontrollen in privaten Haushalten abzulehnen. Diese systematische Diskriminierung führt direkt in Altersarmut.
Notwendigkeit staatlicher Maßnahmen
Die Regierungen sind aufgefordert, aktiv zu werden. Staatlich geförderte Dienstleistungsschecks, wie sie in Frankreich oder Belgien eingesetzt werden, könnten Anreize für formelle Beschäftigungsverhältnisse schaffen und die Anmeldung erleichtern. Diese Instrumente sind jedoch nur wirksam, wenn sie an angemessene Löhne und vollständigen Versicherungsschutz gebunden sind, anstatt lediglich günstige Hausangestellte zu subventionieren. Ein Beispiel für weitergehende Reformen bietet Uruguay, wo verbindliche Tarifverhandlungen über Löhne und Arbeitsbedingungen sowie ein staatlich integriertes Pflegesystem etabliert sind.
Erwartungen an die ILO-Konferenz in Montevideo
Bei der ILO-Konferenz im November in Montevideo sollten die Delegierten über unverbindliche Appelle hinausgehen. Es ist notwendig, Privathaushalte als reguläre Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung und sozialer Absicherung anzuerkennen.
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