Kinderklinikdirektor kritisiert Trumps Impfpolitik scharf
Köln (ots)
Jörg Dötsch, Leiter der Kinderklinik an der Uniklinik Köln, äußerte sich mit deutlicher Kritik zu den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump bezüglich Kinderimpfungen. Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ bezeichnete Dötsch Trumps wiederholte Andeutungen eines Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus als überholt und wissenschaftlich widerlegt.
Trumps Impfdekret und die Reduzierung der empfohlenen Impfungen
Am Montag unterzeichnete Trump in Anwesenheit seines umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. ein Dekret, das die Impfempfehlungen für Kinder in den USA einschränkt. Künftig sollen nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlungen gelten. Dötsch kritisiert insbesondere Trumps Forderung, den kombinierten Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) aufzuteilen. Trump behauptete ohne Belege, die Kombination könne „ziemlich tödlich“ sein. Dem widerspricht Dötsch deutlich und verweist auf die widerlegte Studie aus dem Jahr 1998, die diese Behauptungen ursprünglich in Umlauf brachte.
Gefahren durch Masern und steigende Infektionszahlen in den USA
Dötsch betont die bekannten Risiken von Masern: „Wir wissen genau, dass Masern für zahlreiche Todesfälle bei Kindern verantwortlich sind, die durch Impfungen verhindert werden können.“ Die USA verzeichnen derzeit die höchste Zahl an Maserninfektionen seit Jahrzehnten, obwohl die Krankheit dort seit dem Jahr 2000 als ausgerottet galt. Vor diesem Hintergrund warnt Dötsch, dass die steigenden Masern-Todesfälle in den USA auch in Deutschland als mahnendes Beispiel verstanden werden sollten, insbesondere angesichts der zunehmenden Impfskepsis in Teilen der Bevölkerung.
Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischem Gesundheitssystem
Der Kinderklinikdirektor weist darauf hin, dass das deutsche Gesundheitssystem nicht mit dem amerikanischen vergleichbar sei. Er empfiehlt Eltern in Deutschland, sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu halten und sich nicht von politischen Aussagen aus den USA leiten zu lassen.
Auszug aus dem Interview mit Jörg Dötsch
- Frage: Wie bewerten Sie Trumps Aussagen zum Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus?
- Dötsch: Die ursprüngliche Studie von 1998, die diesen Zusammenhang nahelegte, wurde zurückgezogen und durch umfangreiche Studien widerlegt. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Die Gefahr von Masern ist hingegen gut dokumentiert.
- Frage: Was sagen Sie zu Trumps Forderung, den MMR-Impfstoff in Einzelimpfungen aufzuteilen?
- Dötsch: Diese Forderung basiert ebenfalls auf der widerlegten Studie und ist medizinisch unbegründet.
- Frage: Befürchten Sie, dass die US-Politik Impfskepsis in Deutschland verstärkt?
- Dötsch: In Deutschland liegt die Impfakzeptanz stabil bei etwa 70 bis 75 Prozent. Nur ein kleiner Teil ist echte Impfskeptiker. Das deutsche Gesundheitssystem unterscheidet sich stark vom amerikanischen, weshalb ich Eltern empfehle, sich an die STIKO zu halten.
- Frage: Wie beurteilen Sie die politische Entwicklung in den USA im Kontext der Impfpolitik?
- Dötsch: Ich rate dazu, Entscheidungen für Kinder nicht von politischen Entwicklungen in den USA abhängig zu machen. Die STIKO-Empfehlungen sind auf das deutsche System und die dortigen Gegebenheiten zugeschnitten.
- Frage: Gibt es in Deutschland Anlass zur Sorge wegen populistischer Tendenzen und Impfskepsis?
- Dötsch: Es ist wichtig, dass politische Parteien eng mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten, um das Vertrauen der Bevölkerung zu erhalten. Die Situation in den USA sollte als Warnung dienen.
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