Kinder- und Jugendärzte warnen vor dramatischer Personalknappheit in der Gesundheitsversorgung Minderjähriger
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt eindringlich vor einer sich zuspitzenden Krise in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen. BVKJ-Bundessprecher Jakob Maske äußerte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), dass ohne schnelles Eingreifen von Gesundheitsminister Carsten Linnemann die Situation unerträglich werden könnte.
Personalmangel führt zu Schließungen von Stationen
Maske bezeichnete den Mangel an Fachkräften insbesondere in der spezialisierten Pflege von Frühgeborenen, Schwerstkranken und Intensivpatienten als alarmierend. Bereits jetzt müssten zahlreiche Stationen schließen, da die Kliniken nicht genügend Personal rekrutieren können. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis es zu einem großen Zusammenbruch kommt. Die einen verlassen den Beruf, die anderen treten nicht nach“, so Maske. Er prognostiziert, dass sich die Lage in den kommenden drei bis vier Jahren dramatisch verschärfen wird.
Vergleich zur Situation vor zwei Jahren
Der BVKJ-Sprecher erinnerte an die Lage vor zwei Jahren, als es noch keine Impfstoffe gegen das RS-Virus gab. Damals mussten Kinder aus Berlin über weite Strecken nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verlegt werden, da die Kliniken überfüllt waren oder Stationen aufgrund fehlender Fachkräfte geschlossen blieben. Maske warnte, dass sich solche Engpässe erneut einstellen werden und kritisierte die Politik, die diese Entwicklung offenbar bewusst in Kauf nehme.
Ursachen der Personalnot: Generalistische Pflegeausbildung
Als Hauptgrund für den Fachkräftemangel nennt Maske die vor sechseinhalb Jahren eingeführte generalistische Pflegeausbildung. Diese verlangt von Auszubildenden zunächst zwei Jahre Arbeit mit erwachsenen Patienten, bevor sie sich auf die Pflege von Kindern und Jugendlichen spezialisieren können. Diese Regelung schrecke viele potenzielle Fachkräfte ab, die sich ausschließlich der Kinder- und Jugendpflege widmen möchten. Viele junge Menschen entschieden sich daher für andere Berufe wie Lehramt oder Erziehung, wie Befragungen zeigten.
Appell an den Gesundheitsminister zur Rücknahme der Pflegereform
Maske richtete einen Appell an den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann, die Reform von 2020 rückgängig zu machen. Er betonte, dass eine Rückkehr zu einer eigenständigen Kinder- und Jugendpflegeausbildung die Attraktivität des Berufs deutlich steigern würde. Gleichzeitig müssten die Ausbildungskapazitäten entsprechend ausgeweitet werden. „Mit der Einführung der Generalistik wurde leider viel zerstört“, so Maske.
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