Wohlfahrtsverbände fürchten massive Stellenverluste durch Kürzungen in der Migrations- und Asylberatung
Die von der Bundesregierung geplanten Einsparungen im Bereich der Migrations- und Asylberatung könnten im kommenden Jahr bis zu 630 Arbeitsplätze bei den Wohlfahrtsverbänden gefährden. Dies geht aus Berechnungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hervor, die die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (noz) veröffentlicht hat.
AWO besonders stark betroffen
Nach Angaben der AWO sind von den insgesamt 466 Stellen in der vom Bund geförderten Migrationssozialarbeit 112 gefährdet – das entspricht fast einem Viertel der Arbeitsplätze. Verbandsübergreifend könnte der Stellenabbau im Vergleich zu 2026 rund 27 Prozent betragen, sofern keine zusätzlichen Eigen- oder Drittmittel zur Kompensation der Kürzungen im Jahr 2027 bereitgestellt werden. Ein Personalabbau hätte zudem den Wegfall entsprechender Beratungsangebote zur Folge.
AWO-Chef kritisiert Kürzungspolitik scharf
Michael Groß, Vorsitzender der AWO, bezeichnete die geplanten Einsparungen als kurzsichtig. Er betonte, dass die betroffenen Dienste keine freiwilligen Zusatzleistungen seien, sondern eine zentrale Rolle für den Wirtschaftsstandort Deutschland spielten. Die Beratungsangebote trügen dazu bei, Menschen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und soziale Netzwerke zu schaffen, die sonst fehlen würden.
Groß verwies auf eine Studie, nach der sich jeder in die Migrationssozialarbeit investierte Euro um das 25-Fache rentiere. Die Kürzungen bedeuteten demnach eine Investition in die Zukunft, die die Bundesregierung vernachlässige. Statt Einsparungen würden die Kosten letztlich auf Kommunen und Behörden verlagert.
Politische Verantwortung angesichts rechtsextremer Wahlerfolge
Vor dem Hintergrund zunehmender Erfolge rechtsextremer Parteien sieht Groß die Bundesregierung in der Pflicht, die Migrationssozialarbeit als wichtigen Bestandteil kommunaler Unterstützungsstrukturen zu stärken. Er betonte, dass sich am Umgang mit dem Thema Einwanderung der gesellschaftliche Charakter Deutschlands zeige und diese Frage nicht den rechten Kräften überlassen werden dürfe.
Haushaltsentwurf 2027 sieht drastische Kürzungen vor
Im Fokus der Kritik steht der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027. Demnach soll die unabhängige Asylverfahrensberatung (AVB) in ihrer bisherigen Form nahezu abgeschafft werden: Die Mittel sinken von 24,5 Millionen Euro in diesem Jahr auf nur noch fünf Millionen Euro. Gleichzeitig ist bei der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) eine Kürzung um vier Millionen Euro gegenüber 2026 vorgesehen. Über den Haushalt entscheidet der Bundestag voraussichtlich Ende November.
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