Patientenschützer fordern mehr Transparenz bei Behandlungsfehlern
Osnabrück (ots)
Vor der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen zu Behandlungsfehlern appellieren Vertreter des Patientenschutzes an Politik und Gesundheitswesen, die Transparenz zu erhöhen und Betroffene besser zu unterstützen. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, erklärte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz), dass jährlich in Kliniken schätzungsweise 20.000 vermeidbare Todesfälle durch Fehler entstehen.
Forderungen nach zentralem Register und Härtefallfonds
Brysch fordert die Einrichtung eines zentralen Registers, das Behandlungsfehler sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich erfasst. Zudem sei ein Härtefallfonds für Geschädigte dringend notwendig, um Betroffenen finanzielle Unterstützung zu gewährleisten.
Aktuelle Zahlen und Kritik an der Fehlerkultur
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen wird am Donnerstag um 11 Uhr die Daten für das vergangene Jahr veröffentlichen. Bereits Ende Mai hatte die Techniker Krankenkasse einen neuen Höchststand bei den gemeldeten Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler bekanntgegeben. Brysch kritisiert jedoch, dass die vorhandenen Statistiken des Medizinischen Dienstes und der Bundesärztekammer nur unvollständige Einblicke bieten. Die Fehlerkultur im Gesundheitswesen sei weiterhin unzureichend entwickelt. Weder Bundesregierung noch Leistungserbringer hätten das Thema bisher konsequent vorangetrieben, obwohl dringender Handlungsbedarf bestehe.
Weitere Maßnahmen zum Schutz der Patienten
- Einführung einer gesetzlichen Regelung zur Beweislastumkehr zugunsten der Betroffenen bei überwiegender Wahrscheinlichkeit eines Fehlers.
- Verpflichtung von Praxen und Kliniken zur aktiven Nutzung bestehender Meldesysteme für kritische Ereignisse.
Derzeit ist die Teilnahme an sogenannten CIRS-Systemen (Critical Incident Reporting System) freiwillig. In den letzten zehn Jahren wurden in teilnehmenden Hausarztpraxen lediglich 500 Behandlungsfehler erfasst, was auf eine geringe Nutzung dieser Systeme hinweist.
Pressekontakt
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 (0)541 / 310 207
Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell

