Regulierung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche: Forderung nach strikter Altersgrenze

Kritik an Expertenkommission: Forderung nach strikter Altersgrenze für soziale Medien

Osnabrück (ots) – Jeannette Deckers, Initiatorin einer Online-Petition für ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren, wirft der unabhängigen Expertenkommission der Bundesregierung beim Jugendschutz Versäumnisse vor. Die Kommission hatte kürzlich Empfehlungen zur Regulierung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche präsentiert.

Komplexe Empfehlungen mit geringem Schutz

Deckers bezeichnete die Vorschläge der Expertenkommission gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ als übermäßig kompliziert, ohne dabei einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten. Insgesamt umfassen die Empfehlungen 56 Handlungsvorschläge, die jedoch aus Sicht der Lehrerin kaum wirksame Maßnahmen enthalten.

Altersgrenze von 13 Jahren wird abgelehnt

Besonders kritisiert Deckers die vorgeschlagene Altersgrenze von 13 Jahren, die sie als „schlechten Witz“ bezeichnet. Im Zusammenhang mit dem geplanten „KI-Seepferdchen“ für Grundschulen warnt sie davor, Kinder gegen süchtig machende Algorithmen immunisieren zu wollen. Diese Annahme sei eine gefährliche Fehleinschätzung der Politik, die eine fortgesetzte Gefährdung des Kindeswohls ermögliche.

Sie fordert stattdessen eine klare und verbindliche Altersgrenze von mindestens 16 Jahren für soziale Medien, KI-Companions, Online-Spiele und Messenger-Dienste. Zudem plädiert sie für hardwarebasierte Schutzmechanismen, die unabhängig von personenbezogenen Daten funktionieren. Erst mit einem solchen Schutz könne sinnvoll über Medienkompetenz gesprochen werden.

Handyverbot an Schulen als unzureichend bewertet

Das von der Kommission vorgeschlagene Handyverbot bis zur siebten Klasse an Schulen hält Deckers ebenfalls für unzureichend. Sie beschreibt die Maßnahme als „Tropfen auf den heißen Stein“, da viele Kinder während des Unterrichts unter Entzugserscheinungen litten und nur darauf warteten, wieder Zugriff auf ihre Geräte zu erhalten. Nach ihrer Auffassung müsse das Problem an der Wurzel angegangen werden, um die Konzentrationsfähigkeit der Schüler im Unterricht zu verbessern.

Hintergrund der Expertenkommission

Die unabhängige Expertenkommission für Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt wurde im Herbst vergangenen Jahres von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) eingesetzt. Am Mittwoch präsentierte sie ihre Handlungsempfehlungen, verzichtete jedoch auf eine klare Festlegung einer Altersgrenze für soziale Medien.

Die von Jeannette Deckers initiierte Petition hat bisher mehr als 160.000 Unterstützer gefunden.

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