Studierende unter Druck: Jobben statt Lernen

Berlin (ots)

Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) äußerte, Studierende seien privilegiert und es sei unproblematisch, wenn sie neben dem Studium arbeiten. Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zur Realität. Ein Studium ist als Vollzeitaufgabe konzipiert und erfordert volle Konzentration. Von einer Ministerin im Bereich Forschung sollte man erwarten, dass sie diese Gegebenheiten kennt und sich dafür einsetzt, dass Studierende ihr Studium ohne zusätzliche Belastungen absolvieren können.

Der Druck auf viele Studierende ist jedoch erheblich. Für zahlreiche junge Menschen ist eine Erwerbstätigkeit nicht freiwillig, sondern notwendig, um Miete und Lebenshaltungskosten zu decken. Das BAföG stellt mittlerweile meist nur noch eine finanzielle Unterstützung dar, da die Anpassungen in den letzten Jahren unzureichend waren. Auch die jüngste Reform, die heute vom Kabinett beschlossen wurde, wird die Situation kaum verbessern.

Viele Studierende sind nicht mehr auf der Suche nach einem gelegentlichen Nebenjob, sondern auf eine dauerhafte Beschäftigung angewiesen. Häufig arbeiten sie im Gastronomiebereich oder im Einzelhandel. Bär beschrieb diese Tätigkeiten als „Lernen fürs Leben“. Tatsächlich erleben viele Studierende vor allem, wie herausfordernd es ist, Studium und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Gleichzeitig hält sich hartnäckig das Klischee, dass junge Menschen faul seien, obwohl viele von ihnen versuchen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Leben zu finden. Die Realität sieht anders aus: Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt, dass junge Menschen derzeit so viel arbeiten wie seit Jahrzehnten nicht mehr, wobei der Anteil der Studierenden unter ihnen deutlich gestiegen ist. Die sogenannte Generation Z konnte sich bislang nicht vom strengen Arbeitsethos ihrer Vorgängergenerationen lösen – was vor allem auf finanzielle Zwänge zurückzuführen ist.

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
Telefon: 030/2978-1722

Original-Content von: nd.DerTag / nd.DieWoche, übermittelt durch news aktuell