Osnabrück (ots)
Die Bauwirtschaft prognostiziert aufgrund der gestiegenen Kosten einen weiteren Rückgang im Wohnungsbau und fordert von der Regierung ein entschlossenes Handeln. Baupräsident Olaf Demuth erklärte im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz, Samstagsausgabe), dass zur Überwindung der Krise vor allem das Finanzierungsproblem gelöst werden müsse. Ein staatlicher Impuls durch zinsgünstige Kredite sei der einzige Weg, um kurzfristig eine Belebung zu erzielen.
Demuth betonte, dass der Mangel an Wohnraum in Ballungsgebieten unbestritten sei. Allerdings hätten die gestiegenen Energiepreise die Baukosten derart erhöht, dass viele Neubauprojekte wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien. Er erwartet, dass in diesem Jahr die Zahl der fertiggestellten Wohnungen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen werde. Während 2025 noch 206.000 Wohnungen errichtet wurden, werde man in diesem Jahr voraussichtlich unter 200.000 bleiben. Dennoch zeigte sich Demuth zuversichtlich, dass die Krise innerhalb weniger Jahre überwunden werden könne, sofern die richtigen politischen Entscheidungen getroffen würden.
Vorschläge zur Unterstützung des Wohnungsbaus
Der Baupräsident forderte, dass der Staat Haushalte, Familien und Investoren durch zinsgünstige Darlehen sowie Bürgschaften unterstützen müsse, um den Zugang zu Kapital zu erleichtern. Aufgrund der steigenden Anforderungen des Kapitalmarkts an Sicherheiten sei Eigenkapital unerlässlich, um zu akzeptablen Konditionen Kredite zu erhalten. Demuth erläuterte, dass eine Absicherung des Wohnungsbaus in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Euro durch günstige Kredite eine erhebliche Wirkung entfalten würde. Dabei handele es sich nicht um konsumtive Ausgaben, sondern um rückzahlbare Darlehen, die als Sicherheiten dienen und eine Hebelwirkung erzielen könnten.
Kritik an der politischen Untätigkeit
Demuth äußerte Unverständnis darüber, dass Union und SPD bisher keine Maßnahmen ergriffen hätten. Er verwies darauf, dass die Wohnungsnot populistischen Parteien Wähler zuführe und Wahlergebnisse beeinflusse. „Während wir auf internationale Akteure wie Trump, Putin oder China nur begrenzten Einfluss haben, liegt es in unserer Hand, den Wohnungsbau zu fördern“, so Demuth. Die notwendigen Instrumente seien aus früheren Jahrzehnten bekannt und hätten damals zu schnellen Erfolgen geführt.
Er betonte, dass geeignete Förderprogramme die Bauzahlen rasch hätten steigern können. Entscheidend sei jetzt der politische Wille. Läuft der Wohnungsbau effizient, könne er zwischen neun und zwölf Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung beitragen, was eine bedeutende wirtschaftliche Chance darstelle.
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