Bauindustrie fordert staatliche Unterstützung zur Bekämpfung der Wohnungsbaukrise

Bauindustrie warnt vor weiterem Rückgang im Wohnungsbau

Die Bauwirtschaft prognostiziert aufgrund steigender Kosten einen weiteren Rückgang beim Wohnungsneubau und fordert staatliches Eingreifen. Baupräsident Olaf Demuth betonte im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe), dass die Lösung der aktuellen Finanzierungsprobleme unerlässlich sei. „Ein Finanzierungsimpuls wäre der einzige Weg, um sofort eine Belebung zu erreichen“, so Demuth.

Wohnraummangel in Ballungsgebieten verschärft sich

Demuth stellte fest, dass der Mangel an Wohnungen in städtischen Regionen unbestritten sei. Allerdings hätten die gestiegenen Energiepreise die Baukosten so stark erhöht, dass sich Neubauprojekte häufig nicht mehr wirtschaftlich realisieren lassen. „Wir rechnen fest damit, dass in diesem Jahr die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich sinken wird“, erklärte er. Für 2023 prognostiziert er eine Zahl unter 200.000, nachdem im Vorjahr 206.000 Wohnungen errichtet wurden. Dennoch zeigte sich der Baupräsident zuversichtlich, dass die Krise innerhalb weniger Jahre überwunden werden könne, sofern die richtigen Maßnahmen ergriffen würden.

Vorschläge für staatliche Unterstützung

Nach Ansicht Demuths sollte der Staat Haushalte, Familien und Investoren durch zinsgünstige Darlehen und Bürgschaften unterstützen, um den Zugang zu Kapital zu erleichtern. Der Kapitalmarkt verlange zunehmend höhere Sicherheiten, wodurch Eigenkapital unverzichtbar werde. „Ohne ausreichendes Eigenkapital sind vernünftige Zinssätze kaum zu erzielen“, erläuterte Demuth. Er schlug vor, den Wohnungsbau mit günstigen Krediten im Umfang von 50 bis 60 Milliarden Euro abzusichern. Diese Mittel seien keine konsumtiven Ausgaben, sondern Darlehen, die zurückfließen und als Sicherheiten dienen könnten, wodurch eine Hebelwirkung entstehe.

Kritik an politischem Handeln

Demuth äußerte Unverständnis darüber, dass Union und SPD bislang keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen hätten. „Die Wohnungsnot führt dazu, dass populistische Parteien Wähler gewinnen und Wahlen beeinflussen. Es ist unverständlich, warum die Bundesregierung dieses Thema nicht energisch angeht“, sagte er. Während man auf internationale Akteure wie Trump, Putin oder China nur begrenzt Einfluss habe, liege die Steuerung des Wohnungsbaus klar in nationaler Hand. Zudem seien bewährte Instrumente aus früheren Jahrzehnten bekannt.

Wirtschaftliche Bedeutung des Wohnungsbaus

Demuth erinnerte daran, dass gezielte Förderprogramme in der Vergangenheit die Bauzahlen schnell ansteigen ließen. „Wir haben Erfahrung damit, dass es funktioniert. Entscheidend ist jetzt der politische Wille“, so der Baupräsident. Ein gut funktionierender Wohnungsbau könne neun bis zwölf Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung beitragen und biete somit eine bedeutende wirtschaftliche Chance.

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