Hans-Jürgen Urban beendet seine Tätigkeit als geschäftsführender Vorstand der IG Metall
Frankfurt (ots)
Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der IG Metall wird Hans-Jürgen Urban zum 30. Juni in den Ruhestand gehen. Obwohl er seine Amtszeit bis 2027 hätte verlängern können, entschied sich Urban für einen vorzeitigen Rückzug. In einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau (Samstagsausgabe) betonte er, dass der Einsatz für den Sozialstaat, die Demokratie und die Gewerkschaften weit über den nächsten Gewerkschaftstag hinausgehen werde. Zudem hätte er altersbedingt bei der kommenden Wahl nicht erneut kandidieren dürfen.
Übergabe an die nächste Generation
Urban sieht seinen Rückzug als Chance für seinen Nachfolger, die zukünftige Ausrichtung der IG Metall mitzugestalten und umzusetzen. Der Soziologe verantwortet innerhalb der Gewerkschaft die Bereiche Sozialpolitik, Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik. Er erklärte weiter, dass er in wenigen Tagen 65 Jahre alt werde und die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre für ihn nicht akzeptabel sei.
Kritik an den Reformvorhaben der Bundesregierung
Die geplanten Reformen in den Bereichen Rente, Gesundheit und Arbeitszeit stießen bei Urban auf scharfe Kritik. Er sprach von einem deutlichen Versagen der politischen und wirtschaftlichen Führungsebene. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen würden zunehmend infrage gestellt, während versucht werde, die Krisenlasten auf die Beschäftigten abzuwälzen. Dies bezeichnete er als keine nachhaltige Strategie.
Stattdessen forderte Urban die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte und Produktionsprozesse sowie die Erschließung neuer Märkte und Lieferketten. Er warnte vor einer Rückkehr zu einer aggressiven Klassenpolitik gegenüber den Arbeitnehmern, die seiner Ansicht nach zum Scheitern verurteilt sei.
Appell an die SPD und zur Regierungskoalition
Urban richtete einen klaren Appell an die SPD, sich deutlich hinter die Interessen der abhängig Beschäftigten zu stellen und neue politische Mehrheiten sowie Perspektiven zu schaffen. Einen Abbruch der Regierungskoalition lehnte er jedoch ab. Ein solcher Schritt wäre seiner Meinung nach riskant und könnte vor allem dem rechten politischen Spektrum zugutekommen.
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