VW-Aufsichtsrat beschließt weiteren Stellenabbau trotz Widerstands
Berlin (ots)
Der einstimmige Beschluss des Aufsichtsrats von Volkswagen, weitere 50.000 Arbeitsplätze abzubauen, stößt auf scharfe Kritik. Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) bezeichnet die Entscheidung als Belastung für die Beschäftigten: Zwar seien akute Schließungspläne vorerst vom Tisch, doch bleibe die Unsicherheit für die Mitarbeiter und Standorte bestehen. Onay betont, dass die Beschäftigten nicht für Managementfehler büßen dürften, während die Unternehmensführung ihre Pläne durchsetzt.
Arbeitsplatzabbau und Produktionssteigerung bei reduziertem Personal
- Der Aufsichtsrat beschloss, trotz des Widerstands der IG Metall, die Zahl der Beschäftigten deutlich zu verringern.
- Gleichzeitig soll die Produktion auf 900.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht werden.
- Investitionen werden gekürzt, während die Umsatzrendite auf neun Prozent steigen soll.
Der Betriebsrat weist darauf hin, dass die Belastungen nicht einseitig auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden dürfen. Angesichts eines angestrebten Profits von über 30 Milliarden Euro jährlich erscheint die Verteilung der Lasten jedoch sehr einseitig. Bereits der Tarifabschluss im Dezember 2024 hatte Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerungen für die Beschäftigten bedeutet. Die Betriebsräte und die IG Metall sehen Werksschließungen als wahrscheinlich an, sofern die Kosten nicht drastisch gesenkt werden.
Herausforderungen durch internationale Konkurrenz und Produktionsverlagerungen
Die Konkurrenz aus China und die Marktentwicklung erschweren die Situation zusätzlich. Besonders im Werk Hannover sind die Kosten pro Fahrzeug aufgrund von Unterauslastung hoch. Diese Unterauslastung ist unter anderem auf die Verlagerung der Produktion des VW Bulli in die Türkei zurückzuführen. Für mehrere Standorte fehlen dadurch langfristige Perspektiven.
Weder Betriebsrat noch IG Metall erwägen derzeit alternative Produktionszweige jenseits der Automobilfertigung. Einige Akteure, darunter SPD-Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies, denken bereits über eine Umstellung auf Rüstungsproduktion nach.
Konfliktvermeidung trotz anhaltender Kritik
Laut Betriebsrat und IG Metall konnte gemeinsam mit dem Land Niedersachsen eine Eskalation des Konflikts vermieden werden, indem alle Beteiligten Zugeständnisse machten. Dennoch hatte IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner erst vor wenigen Wochen die Renditeziele des Vorstands als unrealistisch kritisiert. Nun wurde diesen Zielen mit ihrer Zustimmung stattgegeben.
Folgen für Mitbestimmung und Zukunftsperspektiven
Der Abschluss wird auch als Schwächung von Betriebsrat und IG Metall sowie als Angriff auf die Mitbestimmung gewertet. Ein Betriebsrat äußerte kürzlich bei einer Veranstaltung zur Krise der Autoindustrie, dass innerhalb der Gremien kaum über Alternativen zur Autoherstellung diskutiert werde. Ein anwesender Ingenieur zeigte sich darüber enttäuscht und berichtete, dass Mitarbeiter sich nur melden, wenn es um die Entwicklung von Fahrzeugen gehe.
Die Beschäftigten bei Volkswagen und in der gesamten Automobilbranche sind sich einig, dass die aktuelle Entwicklung nicht tragbar ist. Sie reagieren mit Wut, Verzweiflung und Frustration auf die fortgesetzte Verschärfung des Wettbewerbs, die zulasten von Menschen, Kommunen und Umwelt geht. Die schnelle Zustimmung zu den Unternehmensplänen löst keine Probleme, sondern verschärft die Konkurrenzsituation und trägt zur Klimakrise bei. Die Belegschaft äußert erneut ihren Unmut: „Danke für nichts.“
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