AfD und ihre Rolle im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext
Der Partei Alternative für Deutschland (AfD) wird häufig vorgeworfen, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland zu schaden, indem sie Hass schürt und die Bevölkerung spaltet. Ökonomisch wird ihr vorgeworfen, durch ihre ablehnende Haltung gegenüber Migration und der Europäischen Union die Investitionsbedingungen im Land zu beeinträchtigen. Diese Kritik greift jedoch zu kurz, denn die AfD kanalisiert die Unzufriedenheit vieler Bürger auf eine Weise, die für die Wirtschaft vergleichsweise wenig kostenintensiv ist.
Zusammenhang von Armut, Ängsten und politischer Orientierung
Sozialwissenschaftliche Untersuchungen zeigen vielfältige Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Not, Angst vor sozialem Abstieg und der Hinwendung zu rechten Parteien. Besonders stark ist die AfD demnach bei Menschen, die entweder bereits materielle Einschränkungen erfahren oder diese befürchten. Diese Problematik ist eine Folge der Politik der vergangenen Jahrzehnte, die die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts als oberstes Ziel staatlichen Handelns definiert hat.
Fortsetzung der bisherigen Wirtschaftspolitik
- Aktuelle Entwicklungen wie Massenentlassungen bei Volkswagen zur Steigerung der Gewinnmargen
- Appelle der Regierung zu Mehrarbeit
- Angekündigte Kürzungen sozialer Leistungen infolge hoher Rüstungsausgaben
Die Regierung bezeichnet diese Maßnahmen als alternativlos und fordert von der Bevölkerung Opferbereitschaft, indem private materielle Interessen zugunsten des Wirtschaftsstandorts zurückgestellt werden sollen.
Politische Optionen der Lohnabhängigen
In dieser Lage könnten Arbeitnehmer für ihre Rechte und gegen soziale Unsicherheiten eintreten – eine linke Alternative, die jedoch in der politischen Mitte als zeitlich unpassend gilt. Stattdessen entscheiden sich viele für die AfD, eine Partei, die vorgibt, die Interessen der Benachteiligten zu vertreten, tatsächlich aber eine stark unternehmensfreundliche Politik verfolgt. Diese Agenda entlastet die Wohlhabenden derart, dass Ökonominnen und Ökonomen deren langfristige Finanzierbarkeit infrage stellen.
Strategie der AfD und ihre gesellschaftliche Wirkung
Die AfD bündelt die Unzufriedenheit und lenkt sie gegen Migrantinnen und Migranten sowie gegen linke politische Positionen. Anstelle einer Umverteilung des Reichtums propagiert sie Remigration. Als spezifische Anliegen der Arbeiterschaft nennt AfD-Sozialpolitiker René Springer „Heimat, Familie und Leistung“. Die Partei präsentiert sich als scheinbare Alternative zu den etablierten „Systemparteien“ der Mitte und fördert die Vorstellung, die deutsche Klassengesellschaft bestehe aus einer harmonischen Gemeinschaft von Unternehmern und Arbeitenden, die gemeinsam den nationalen Wohlstand schaffen – wenn da nicht die Ausländer und die vermeintlich unfähigen Politiker wären, die angeblich deutsche Interessen vernachlässigen. Dabei sind es gerade diese Interessen, die Armut sowohl bei Migranten als auch bei Einheimischen verursachen.
Das sogenannte „AfD-Paradox“
Häufig wird das „AfD-Paradox“ kritisiert: Ausgerechnet jene Menschen, die am stärksten unter rechter Politik leiden würden, unterstützen die AfD. Die Partei erreicht jedoch eine sozial befriedende Wirkung, indem sie die Wut über bestehende Verhältnisse für eine Politik nutzt, die den Reichtum der Wohlhabenden unangetastet lässt und gleichzeitig den Eindruck erweckt, einen grundlegenden Wandel herbeizuführen. Ein Blick in die USA zeigt die Folgen: Dort befinden sich Unternehmensgewinne auf Rekordniveau, während der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen 1947 erreicht hat.
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