Politikwissenschaftler weist historische Vergleiche der AfD mit NSDAP zurück

Politikwissenschaftler Michael Dreyer weist Vergleiche zwischen AfD und NSDAP zurück

Osnabrück (ots)

Michael Dreyer, Politikwissenschaftler aus Jena und Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik e.V., hat im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz) historische Parallelen zwischen der AfD und der NSDAP sowie Bezüge zum Ende der Weimarer Republik als irreführend bezeichnet. Er betonte, die NSDAP stehe für das „absolut Böse“, weshalb Vergleiche mit ihr in die Irre führten.

AfD-Erfolg als europäisches Phänomen

Dreyer bewertet den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt als Ausdruck einer Anpassung an eine europaweit verbreitete politische Normalität. In nahezu allen europäischen Ländern gebe es rechtspopulistische Parteien, was den Aufstieg der AfD in diesen Kontext einordne.

Unterschiede zur Weimarer Republik

Der Experte, der auch Mitbegründer des Hauses der Weimarer Republik in Weimar ist, widersprach Vergleichen zwischen der aktuellen politischen Lage in Deutschland und der Krise der Weimarer Republik. Er erklärte, die Bundesrepublik im Jahr 2026 befinde sich in einer anderen Situation, da die politischen Eliten durchweg demokratisch seien. Zudem seien die Bundesrepublik und das Grundgesetz deutlich widerstandsfähiger als die Weimarer Republik und deren Verfassung.

AfD und Demokratieverständnis

Dreyer widersprach zudem der pauschalen Einschätzung, die AfD sei grundsätzlich antidemokratisch. Innerhalb der Partei gebe es eine starke demokratische Beteiligung der Basis, die mehr Mitspracherechte habe als in anderen Parteien. Allerdings kritisierte er, dass die AfD das Mehrheitsprinzip gegen den Minderheitenschutz ausspiele. Die Defizite der Partei lägen demnach im Bereich des Liberalismus, nicht der Demokratie.

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